Bergfestung

Bergfestung Königstein in Sachsen

Bergfestung, nennt man eine Festung, die auf einer beträchtlichen Höhe oder einem Felsen liegt. Eine solche Festung hat immer sehr viele Vorteile, und ist gewöhnlich schwer zu erobern, da sie weder ordentlich beschossen, noch ihr durch Minen Schaden zugefügt werden kann; doch leistet sie im Ganzen wenig Nutzen, da sie auch leicht einzuschließen ist, und wenig zum Schutz des sie umgebenden Landstrichs beiträgt. Sie werden daher gewöhnlich zur Aufbewahrung von Schätzen, geheimer Archive usw. gebraucht; nur wenn sie eine andere neben ihnen liegende Festung dominieren, oder in einem Gebirgspass angelegt sind, können sie daher von besonderem Nutzen für die Kriegsoperationen sein. Man muss beim Anlegen einer Bergfestung vorzüglich nur dahin sehen, dass sie nicht mit Leitern erstiegen werden kann, oder von einer anderen Höhe in der Nähe beherrscht wird; sie muss bombenfeste Gewölbe, und hinreichende Brunnen haben, um keinen Wassermangel zu leiden, und mit einer bequemen Auffahrt versehen sein, die jedoch so gedeckt ist, dass sich der Feind derselben nicht bedienen kann.

Der Angriff einer solchen Bergfestung geschieht am besten durch die strengste Einschließung, und das daraus erfolgende Aushungern. Will man aber aus Gründen eine Bergfestung auf andere Art angreifen, so wird diese durch die Lage des Ortes und die Beschaffenheit der umliegenden Gegend angezeigt, und nur den gewünschten Ausgang haben, wenn in der Festung keine Kasematten sind. Der gewöhnliche förmliche Angriff ist aber nur möglich, wenn der Berg aus bloßer Erde besteht, sonst wird man sich vorzüglich des Wurfgeschützes bedienen müssen. Sind Berge in der Nachbarschaft, welche den Platz überhöhen, so eignen sich diese zur Aufnahme von schrägen und direkten Kanonenbatterien; auf die niedrigeren Anhöhen platziert man Rikoschettbatterien, deren Geschütze aus Kanonen, Haubitzen, auch wohl Mortieren bestehen; die Projektile müssen dann unter einem spitzen Winkel auf die Wallgänge schlagen, und auf dem steinigen Boden rikoschettieren. Zum Einschlagen der Gebäude, Gewölbe usw. bestimmt man die schweren Mortiere.

Die Auswahl sämtlicher Batterieplätze erfordert hier insbesondere die Berücksichtigung der dahin führenden Wege, des Bodens, und der unter einander anzubringenden Verbindungen; häufig können sie hinter den Bergkämmen, oder Waldrändern angelegt werden. Jede einzeln liegende Batterie bekommt die nötige Bedeckung, entweder durch ein aufgeworfenes Stück Parallele, oder eine geschlossene Schanze. Eine gleiche Versperrung erhalten auch alle zur Festung führenden Wege, besonders die unmittelbar auf die Eingänge des Platzes führenden, worin sogleich die nötigen Geschütze zum Beschießen der Eingänge selbst aufzufahren sind. Einzelne Posten verbinden alle abgesonderten Verschanzungen und hindern jeden Zugang auf Schleichwegen; die Besatzung aller Angriffswerke muss der anzunehmenden Stärke eine etwaigen feindlichen Ausfalls immer hinreichend gewachsen sein.

Die Verteidigungsmaßregeln einer Bergfeste bestehen darin, dass man alle im Kanonenbereich befindlichen Berggipfel abholzt, die dahin führenden Wege ungangbar macht, auch wohl selbst die den Platz überhöhenden Bergspitzen durch Sprengung abträgt. Ist der Grund Felsen, so schält man auf allen Punkten, wo der Feind Batterien oder Verschanzungen anlegen dürfte, die Erde ab, und führt die Erde von den nächsten Orten, in den Platz, wo sie, um das Rikoschettieren zu verhindern, meistenteils mangeln dürfte. Hat man nur einen Ausgang aus der Festung, so legt man wo möglich noch einen zweiten an, und wenn es auch nur ein Schleichweg wäre, falls Mittel und Zeit solches zulassen. Niedrige und eingesehene Werke, so wie die dahin führenden Gänge werden überbaut, weil sonst der Feind augenblicklich den Gebrauch derselben durch dagegen aufgeführte Kanonen- und Wurfbatterien verbieten würde. Den Umfang der Festung untersucht man aufs genaueste, und überlegt ob irgendwo ein heimliches Eindringen ausführbar scheint. Hier versieht man sich mit hinreichenden Ernstfeuern und Steinhaufen; auch die älteren Trutzwaffen könnte man hier, verbessert, mit Nutzen anwenden, besonders wo nur geringe Pulvervorräte da sind.

Die Dächer sämtlicher Gebäude richtet man nach Art der Blockhäuser ein, und führt auf den Wallgängen und im Innern des Platzes die erforderlichen Zwergwälle auf. Den feindlichen Batteriebau sucht man aufs kräftigste durch sein Artilleriefeuer zu verhindern; Ausfälle sind in Bergfestungen immer sehr gewagt, weil das Zurückkommen sehr schwierig ist, der Feind die ausgefallenen Truppen leicht abschneiden, oder bei ihrer Rückkehr gleichzeitig mit ihnen in die Festung eindringen kann, wenn man nicht diesen ganzen Teil der Mannschaft aufopfern will.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe