Bayern

Die früheste geschichtlich nachweisbare Bevölkerung des Landes Bayern bildeten die keltischen Vindelizier (Vindeliker); sie wohnten zwischen Bodensee und Inn, Alpen und Donau; ihre Städte waren Brigantium (Bregenz), Campodunum (Kempten), Bojodurum (die Innstadt von Passau), Sorbiodurum (Straubing) u. a. Sie wurden 15 v. Chr. von den Römern unterworfen, welche die Kolonien Augusta Vindelicorum (Augsburg), Regina Castra (Regensburg) und Castra Batava (Passau) gründeten. Das Land wurde mit dem der Rätier zur Provinz Rätia gemacht und hieß im 4. und 5. Jahrhundert Raetia secunda. Römische Kultur und Sprache wurden heimisch. Während der sogenannten Völkerwanderung besetzten die germanischen Markomannen und Quaden, die von ihrem bisherigen Wohnsitz, dem alten Boierland Boihaemum (Böhmen), den Namen Bajovarii oder Baiwaren (Bajuwaren) angenommen hatten, Noricum und Rätien, während der Teil westlich vom Lech in die Gewalt der Alemannen geriet; die Baiwaren wohnten vom Fichtelgebirge bis an die Hochalpen, vom Lech bis nach Kärnten und Steiermark und standen unter Herzögen (oder Königen), die bald von dem fränkischen Reich abhängig wurden.

Älteres baierisches Stammesherzogtum, 555–788

Als einer der ersten Herzöge erscheint Garibald I. aus dem Geschlechte der Agilolfinger, der im Bunde mit dem Langobardenkönig Authari sich vergeblich von der Oberherrschaft der Franken zu befreien strebte. Nach Garibalds Tod (590) wurde durch die Franken sein Verwandter Tassilo I. auf den Thron erhoben, der Garibalds Sohn Grimoald vertrieb, aber auf einem Zuge gegen die Avaren zu Grunde ging. Unter Garibald II., Theodo I. und Theodo II. wurde durch die Mönche Eustachius und Agilus aus dem burgundischen Kloster Luxeuil, durch den heil. Emmeram und den Bischof Rupert von Worms das Christentum in Bayern verbreitet; Theodo II. selbst empfing mit seinen Söhnen die Taufe. Dessen Enkel Huibert verlor 728 nach unglücklichem Kampfe gegen Karl Martell den nördlichen Teil seines Reiches und geriet in größere Abhängigkeit von den Franken. Sein Nachfolger Odilo benutzte den Streit zwischen den Söhnen Karls, um sich frei zu machen, wurde aber 743 auf dem Lechfeld geschlagen und gefangen; für seine Freigebung (741) musste er das Land nördlich der Donau abtreten, das als Nordgau dem Frankenreich einverleibt wurde; unter ihm gründete Bonifacius 739 die Bistümer Passau, Freising, Salzburg und Regensburg.

Odilos sechsjähriger Sohn, Tassilo III. (s. d., 748-788), stand anfangs unter der Vormundschaft seiner Mutter, der fränkischen Prinzessin Chiltrudis; selbständig geworden, vermählt mit Liutgard, Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, suchte er die fränkische Oberhoheit abzuschütteln: er leistete dem Frankenkönig keine Heeresfolge, besuchte die Maifelder nicht und erließ in eigenem Namen Gesetze. Als er sich aber mit seinem Schwager, dem Langobarden Adalgis, und dem oströmischen Hofe sowie mit den Avaren im Bunde gegen Karl d. Gr. empörte, musste er, besiegt, 787 in Worms sein Herzogtum von neuem zu Lehen nehmen und Geiseln stellen. Da er sich wiederum empörte, ward er 788 von einem Reichsgericht zu Ingelheim zum Tode verurteilt, aber begnadigt und in ein Kloster verwiesen. Nachdem er 794 auf dem Reichstage zu Frankfurt a. M. feierlichst auf Bayern verzichtet hatte, wurde das Land ein Bestandteil des Frankenreichs.

Jüngeres baierisches Stammesherzogtum, 788–1180

Karl der Große teilte Bayern in Grafschaften und suchte es völlig mit dem Frankenreich zu verschmelzen. Dies gelang jedoch nicht, da Bayern bei den Teilungen unter seinen Nachfolgern wiederholt als besondere Herrschaft an jüngere Söhne verliehen wurde, so 817 an Ludwig den Teutschen, 863 an dessen Sohn Karlmann. Zudem wurde das Land, besonders die von Karl d. Gr. nach dem Avarenkrieg errichtete Ostmark, durch den Ansturm der Ungarn gefährdet. Namentlich unter Ludwig dem Kind verheerten sie Bayern, und 907 erschienen sie mit einer so überlegenen Macht, dass das bayerische Heer in offener Feldschlacht vernichtet wurde und der Anführer, Markgraf Luitpold von der Ostmark, fiel. Ganz Bayern östlich vom Inn ward nun ein Raub der Ungarn. Luitpolds Sohn, Arnulf der Böse, drängte die Ungarn wieder zurück und ward 912 von den Bayern als Herzog anerkannt. Er dehnte seine Herrschaft über Kärnten, den Nordgau und einen Teil von Ostfranken aus, und König Konrad I. konnte ihn nicht unterwerfen. 921 erkannte zwar Arnulf in Regensburg die Oberhoheit des neuen deutschen Königs Heinrich I. an, aber nur, nachdem dieser ihm die herzogliche Würde bestätigt und das Recht eingeräumt hatte, auf eigene Hand Krieg zu führen, Recht zu sprechen, Münzen zu prägen und über die Bistümer und Klöster zu verfügen. Nach seinem Tod (937) wurde sein Sohn Eberhard von Otto I., dem er die Huldigung verweigerte, vertrieben und Arnulfs Bruder Berchthold (938-945) als Herzog, aber mit verringerten Befugnissen, eingesetzt. Arnulfs jüngerer gleichnamiger Sohn erhielt als Pfalzgraf das oberste Gericht und die Verwaltung der königlichen Besitzungen und Einkünfte in Bayern.

Nach Berchtholds Tod belehnte Otto I. seinen Bruder Heinrich I., der mit Arnulfs Tochter Judith vermählt war, mit dem Herzogtum. Doch bei dem Aufstand Ludolfs und Konrads gegen Otto I. 953 schlossen sich die Bayern der Empörung an und wurden erst nach hartnäckigem Kampf um Regensburg 954 unterworfen. Auf Heinrich I. folgte 955 sein vierjähriger Sohn, Heinrich II., der Zänker, unter der Vormundschaft seiner Mutter Judith. Als sich dieser 974 wegen der Verleihung der Ostmark an die Babenberger (s. Babenberg) gegen Otto II. empörte, wurden nach seiner Besiegung Kärnten und der Nordgau von Bayern getrennt, die Pfalzgrafenwürde erneuert und das verkleinerte Bayern des Kaisers Neffen Otto von Schwaben verliehen. Nach dessen Tode 982 erhielt Bayern Berchtholds Sohn Heinrich III., der jüngere, der bisher Kärnten besessen, das so an Bayern zurückfiel. 985 wurde aber Heinrich der Zänker in Bayern als Herzog wieder eingesetzt und erhielt 989 auch Kärnten. Ihm folgte 995 sein Sohn Heinrich IV., während Kärnten an Otto von Franken kam.

Als Heinrich IV. 1002 als Heinrich II. König geworden, verlieh er Bayern an Heinrich von Lützelburg, nach dessen Tod 1026 König Konrad II. Bayern seinem Sohn Heinrich (Heinrich VI.) gab. Dieser belehnte als Kaiser Heinrich III. 1042 Heinrichs V. Neffen, Heinrich VII., und nach dessen Tod 1047 Konrad von Zutphen mit Bayern. Als dieser 1053 geächtet wurde, verlieh der Kaiser Bayern seinem Sohn, der 1056 als Heinrich IV. den Thron bestieg. Während der vormundschaftlichen Regierung der Kaiserin Agnes trat diese Bayern 1061 an Otto von Nordheim ab, der es 1070 an Welf I. verlor. Damit begann die Herrschaft des welfischen Hauses, das Bayern bis 1180 besaß. Auf Welf I. folgte 1101 dessen Sohn Welf II., auf diesen 1120 Heinrich IX., der Schwarze, und 1126 dessen Sohn Heinrich X., der Stolze. Da derselbe 1138 von König Konrad III. geächtet wurde, erhielt 1139 der Markgraf Leopold von Österreich und nach dessen Tod (1141) im Frankfurter Frieden 1142 sein Bruder Heinrich XI. Jasomirgott Bayern. Doch gab Kaiser Friedrich I. 1156 dem Welfen Heinrich (XII.), dem Löwen, Bayern zurück, wogegen die Ostmark von Bayern losgelöst und zu einem selbständigen Herzogtum erhoben wurde. Heinrich der Löwe gründete München, widmete sich aber mehr seinem zweiten Herzogtum Sachsen, und als er 1180 geächtet wurde, erhielt auf dem Reichstag zu Regensburg 24. Juni 1180 das Herzogtum Bayern Pfalzgraf Otto IV. von Wittelsbach aus dem alten bayerischen Geschlechte der Grafen von Scheyern.

Bibliographie

  • Herzogtum Bayern, 1180–1623
  • Kurfürstentum Bayern, 1623–1805
  • Königreich Bayern, 1806–1918
  • »Monumenta Boica« (Münch. 1763-1900, 45 Bde.)
  • »Geschichte des bayerischen Heeres« (hrsg. vom k. bayr. Kriegsarchiv, Münch. 1901 ff.)
  • »Forschungen zur Geschichte Bayerns« (hrsg. von Reinhardstöttner, Berl. 1897 ff.)
  • Brecher: Darstellung der geschichtl. Entwicklung d. bayrischen Staatsgebiets (Karte, Berl. 1890)
  • Buchner: Geschichte von Bayern (Münch. 1820-55, 10 Bde.)
  • Heigel u. Riezler: Das Herzogtum Bayern zur Zeit Heinrichs des Löwen (Münch. 1867)
  • Quitzmann: Die älteste Geschichte der Bayern bis 911 (Braunschw. 1873)
  • Riezler: Geschichte Bayerns (Gotha 1878–1899, 4 Bde.)
  • Rosenthal: Geschichte des Gerichtswesens und der Verwaltungsorganisation Bayerns (nur Bd. 1, Würzb. 1889)
  • Rudhart: Älteste Geschichte Bayerns (Hamb. 1841)
  • Sighart: Geschichte der bildenden Künste in Bayern (Münch. 1863)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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